Es gibt mehrere Möglichkeiten den Gitarrenhals mit dem Body zu verbinden. Und keiner mangelt es an Sagen, Mythen und Voodoo (Marketing) dazu. Der Neckjoint, also die Verbindung von Hals und Korpus der Gitarre ist in meinen Augen das Herz und die Seele des Sounds. Die hier verwendete Mühe und Genauigkeit schlägt sich unmittelbar und hörbar auf den Sound durch. Wir Gitarrenbauer– zumindest jene, die man ernst nehmen darf – haben eine Regel:

Wird der Hals in den Body eingefügt, muss man die Gitarre am Hals aufheben und bewegen können, ohne dass die Verbindung sich öffnet oder verschiebt – und zwar OHNE Leim oder Schrauben! Nur dann wird die größtmögliche Menge an Schwingung vom Hals auf den Korpus übertragen.

Der angeschraubte (Bolt-On) Hals.

Bolt-On NeckjointDie Bolt-on Konstruktion wird sehr häufig verwendet und ist kostengünstig herzustellen, hat aber zugegebenermaßen klanglichen Fähigkeiten die hervorragend sind, solange der Halsfuß und die Halstasche am Body eine sehr enge Passform haben und es richtig gemacht wurde. Leider wird es viel zu oft nicht richtig gemacht.

Bolt-on ist nicht der schlechteste Weg einer Verbindung, ich persönlich empfehle bei Modifikationen solcher Gitarren die schwerfällige Konstruktion bei den typischen Kandidaten sehr stark zu überarbeiten, inwieweit die Möglichkeiten das zulassen.
Das Design ist sehr alt und die Verbindung klobig.
Ein Bolt-On hat einen großen Flansch, der von dem Korpus vorsteht und behindert den Zugang zu den oberen Bünden. Der Hals ist in der Regel auf diesem umständlichen Flansch verschraubt.

Fender popularisierte das Bolt-on, der auch bei weitem mehr Obertöne als angeleimte Hälse erhält.
Allerdings hat Bolt-on einen schlechten Ruf aufgrund der Unfähigkeit von CBS (die Fender gekauft haben) in den 1970ern die Fenders richtig zu bauen, weil sie ganz einfach keinen ordentlichen Halsanschluss zusammengebracht und Massen von instabilem Mist produziert haben. Und dieser Ruf hält sich bis heute, genährt von vielen Billigprodukten, die den Markt heute überschwemmen.

Man überprüfe vor dem Kauf einer Gitarre mit aufgeschraubtem Hals, wie eng die Verbindung tatsächlich ist, es darf kein Blatt Papier in die seitlichen Zwischenräume passen.

Der eingeschraubte (Bolt-In) Hals

Bolt-In NeckjointDer Bolt-In Hals ist bekannt dafür, noch mehr Obertöne zu erhalten als der Bolt-On.
Bolt-In ist nicht nur eine Alternative zu Bolt-On, es ist eine Evolution.
Bolt-In, vielleicht noch in Verbindung mit Direct-Mounting der Pickups, bietet überlegene Klangeigenschaften zu allen anderen Bauweisen.
Diese Methode ist teurer, weshalb dies von sehr wenigen Unternehmen angeboten wird. Ferner ist Bolt-In deshalb empfehlenswert, weil der Halsfuß im Korpus der Gitarre „begraben“ liegt und einen angenehmen Hals-Korpus Übergang ermöglicht.
Der Bolt-In Hals ist eigentlich durch die Rückseite des Bodys verschraubt. Es gibt keinen großen Flansch der dem Spiel in die Quere kommt und der Neck-Pickup kann effektiv direkt auf den Halsfuß montiert werden (Direct- oder Hard-mounting). Dies fügt Tonnen von Sustain hinzu und erhöht die Obertöne um bis zu 30%!

Der eingeleimte (Set-Neck) Hals

Set-In NeckjointEs ist wichtig zu verstehen, dass diese Erklärung nur für elektrische Solidbody-Gitarren gilt.
Jazzgitarren und Akustikgitarren fallen in eine komplett andere Kategorie.

Die Set-Neck Konstruktion ist die billigste und am häufigsten verwendete Gitarren-Bauweise.
Ich persönlich bin kein Fan davon, weil meine Soundvorstellung damit nicht erreicht wird.
So werden seit Anbeginn der Zeit die meisten Gitarren gebaut. Wenn ein Set-In Hals eingesetzt wird, fehlt der Gitarre der bluesige Duck-Tone, der nasale Twang, der mit Bolt-On oder Bolt-In  Gitarren erreicht wird. Sie verlieren auch eine Menge Obertöne und in Ermangelung eines besseren Wortes, Set-Neck Gitarren haben keinen Spank!

Ein Set-In ähnelt dem Bolt-In, wobei aber der Halsfuß in die Halstasche geleimt ist. Zum einen erlaubt diese Methode größere Toleranzen in der Fertigung (dadurch billiger) und zum anderen wirkt der Leim als Dämpfer.

Der Neck-Thru Hals

Neck-Trhu VarianteNeck-Through-Body Konstruktion ist die stabilste Konstruktion für eine elektrische Gitarre.
Dabei ist der Hals so lang wie die Gitarre selbst, der Body wird also mit 2 Teilen seitlich am Hals befestigt. Optisch sieht es so aus, als wäre der Hals durch die Gitarre geführt – Neck-Thru.
Etwas teurer und in der Fabrikation nicht sehr verbreitet.
Neck-Thru wird empfohlen, wenn die Stabilität sehr wichtig ist und ein vieles mehr an Sustain gewünscht wird.
Pickups, Brücke und Stoptail oder Tremolo sind in der Regel direkt in oder über dem Hals befestigt. Sie verlieren ein gewisses Maß an Obertönen, obwohl einige Unternehmen dies elektronisch auszugleichen versuchen. Wer nach phänomenal viel Sustain sucht und nicht unbedingt einen Funky-Ton benötigt, wird hier fündig. Man hat ähnliche klangliche Einschränkungen wie bei einem Set-In Hals, dafür aber unglaubliches Sustain und wirklich dicken Ton.

Deep (oder Long) Tenon Set-In oder Bolt-In Hals

Long (Deep) Tenon NeckDabei ist der Hals unterhalb der Decke oft so lang, dass er oft bis zur Brücke der Gitarre reicht.
Die meisten Unternehmen können einen Long-Tenon nicht bauen, da dies mehrere zusätzliche Arbeitsgänge auf eigens dafür bereitgestellten Maschinen erfordert, was den Preis (zu Recht!) enorm erhöhen würde.
Er kann verschraubt werden – siehe Bolt-In mit etwas weniger Hochton – oder geleimt – siehe Neck-Thru mit etwas mehr Obertönen – das Klangergebnis hängt davon ab, wie weit der Tenon in den Body reicht.
Geschraubt ist diese Konstruktion eine handwerkliche Herausforderung, die mit exzellenten Tönen belohnt wird. Auch eine geleimte Konstruktion erfordert viel Geschick, deshalb sind tief eingesetzte Hälse die teuersten Anfertigungen.
Sie sind stabil wie ein Neck-thru und klingen ausgezeichnet, wenn man nach einem potenten fetten Ton sucht. Man verliert einige Strat und Tele Töne, aber die Blues-Sound ist genial (speziell geschraubt). Ein Long-Tenon Hals ist optisch schöner als ein Neck-Thru, weil die Decke der Gitarre im Ganzen bleibt – aber dies ist und bleibt wie alles: Geschmacksache.

Mein Fazit

Bolt-In Direct Coupling NeckjointEs ist ein Mythos, dass ein geschraubter Hals kein Sustain liefert und viel zu dünn klingt. Dies ist einzig davon abhängig, wie genau und sauber der Neckjoint gearbeitet ist. Direct-Coupling ist eines der Zauberwörter, die hier wesentlich Beachtung finden sollten.
Eine lackierte oder verleimte Halstasche bildet zwischen dem Holz des Bodys und des Halses eine dämpfende Schicht. Sieht man mal unter den Hals so mancher teuren „Amerikanerin“ wie dick diese Lackschichten sind, wundert mich oft, dass das überhaupt noch „klingt“.
Ist die Halstasche so gearbeitet wie in der Regel im ersten Absatz genannt und wird Holz an Holz geschraubt (Direct-Coupling) – am Besten noch mit Maschinenschrauben und Gewindehülsen um den Pressdruck zu erhöhen – wird man feststellen, dass auch Schraubhälse eine ordentliche Schaufel an Sustain liefern können und ganz phantastisch klingen. Vor allem wenn es sich dabei um eine Bolt-In Konstruktion handelt.

Ich rate allerdings davon ab, bei gekauften Gitarren den Lack an den Seiten der Halstasche und des Halsfußes zu entfernen, weil der Anschluss dann alles andere als thight sitzt – da fehlt dann oft schon 1 Millimeter. Hier muss man sich mit dem Boden der Tasche und der Unterseite des Halsfußes begnügen, was allerdings auch etwas Verbesserung bringt.

Ebenso ein Mythos, dass ein geleimter Hals stabiler ist. Im Gegenteil, von allen Halsbrüchen die ich repariert habe, waren weniger als 5% Schraubhälse – am öftesten zeigen eingeleimte (Set-In) Hälse Risse und Brüche! Hier war in den vergangenen Jahrzehnten jedenfalls Gibson einsamer Vorreiter an Schlamperei und produziertem Mist. Ich liebe Gibson – und hier vor allem die LP – aber dem Namen werden deren Produkte nur im sehr hochpreisigen Custom-Shop Segment gerecht. Dafür bekommt man schon eine handgebaute LP – die dann aber in Qualitätsregionen vorstößt, die eben nur eine handgearbeitete Gitarre bieten kann.

Klanglich am vielseitigsten empfinde ich persönlich den Bolt-In Hals.
Er erhält die meisten Obertöne aller Befestigungsarten und hat ordentlich Sustain.

Auch hier gibt es keine allgemein gültige Regel, ausser: Qualität ist das wichtigste und gut ist, was gefällt.

Keep rockin´, Tom