Gibson factoryIch werde oft gefragt was von Hand hergestellte Gitarren besser macht, als maschinengefertigte und – wenn sie es sind – was genau.
Das sind gute Fragen, die allerdings nur komplex zu beantworten sind.
Handgemachte Gitarren sind zunächst mit anderem Hintergrund hergestellt als fabrikgemachte Gitarren.
Beide werden unterschiedlich gebaut, für unterschiedliche Zwecke und Märkte und mit verschiedenen Intentionen, Zielen und Qualitäten.
Fabriken müssen Instrumente herstellen, die gut genug sind um für den Massenmarkt verkäuflich zu sein.
Gitarrenbauer (auch Luthier genannt – wobei es kleine Unterschiede zwischen beiden begrifflichen Berufen gibt) müssen Instrumente herstellen um als perfekte Werkzeuge für manche Musiker verkäuflich zu sein.
Eine Hand“made“ mit einer Fabrik“made“ Gitarre zu vergleichen ist wie ein Gemälde mit einem Toaster zu vergleichen.
Beide Dinge muss man von unterschiedlichen Standpunkten bewerten und aus eben diesen haben beide Dinge ihren Wert und ihre Berechtigung.
Ich möchte betonen, dass ich keinesfalls beabsichtige, Fabriken oder Gitarrenbauer schlecht zu reden. Ich möchte allerdings aufzeigen, wie unterschiedlich die Produkte der beiden Seiten sind, speziell deshalb, weil beide doch dasselbe sind und mehr als oft auch gleich aussehen.

Handmde Studiocaster by Tom BaconWas ist nun wirklich „handgemacht“?
Offensichtlich wurden Dinge vor langen Zeiten mit einfachen Werkzeugen buchstäblich Hand gemacht.
Aber was ist davon zu halten, wenn Luthier Fräsen, Bandsägen, Schleifmaschinen und dergleichen verwenden? Sind das nicht dieselben Werkzeuge, die auch in Fabriken verwendet werden? Wie kann etwas, das mit diesen Mitteln gebaut wird, tatsächlich handgemacht sein?
Diese Fragen haben sich Gitarrenbauer und Luthier aller Welt schon in den 1960ern und 1970ern gestellt, weil da der Einsatz von elektrischen Werkzeugen immer üblicher wurde.
Nach langen Debatten kam man dann auch zum Schluss, dass man die Antwort nur in der Freiheit solche Werkzeuge zu benutzen suchen kann.
Das heißt, eine Gitarre kann als handgemacht bezeichnet werden, wenn der Gitarrenbauer frei ist zu entscheiden, mit welchem Werkzeug er sein entsprechendes Produkt fertigen möchte.
Werkzeuge die nur einem einzigen Arbeitsvorgang gewidmet oder dafür gebaut sind, wie in Fabriken üblich, fallen nicht in diese Kategorie.
Ebenso nicht jeder Gebrauch von Arbeitsketten/Produktionslinien – auch wenn dabei von Hand gearbeitet wird – wenn dafür identische vorgefertigte Teile verwendet oder erzeugt werden. Das ist der Standard womit handgemacht und produziert voneinander unterschieden werden sollen.

Diese Grenzen haben sich bis heute wieder etwas verwischt, der Aufbau einer Schleifstation, mit der ich nur Griffbrettradien erzeuge (mit dem Gebrauch eines entsprechend gefertigten Jig [Vorrichtung]) gilt heute als vertretbar und ist üblich, weil auch dies durchaus ein Qualitätsmerkmal einer Werkstätte sein kann (jedenfalls, wenn das Jig selbst konstruiert und so nur hier verwendet wird).

Das Einfachste ist wohl zu sagen, dass handgebaute Gitarren sich hauptsächlich von in Fabriken produzierten aufgrund der Art der Produktion unterscheiden, also in Einzelstück und Massenware getrennt werden können.
Während dies nun ziemlich offensichtlich und selbstverständlich klingt, ergeben sich aus diesem Grundwissen doch auch große Auswirkungen:

1. Wartung auf lange Sicht.
Auf lange Sicht kann jede Gitarre Verbesserungen (Tuneups), Service oder Reparaturen brauchen – wie ein Auto.
Fabriks-Gitarren sind meistens mit Prozessen gefertigt, die schnell, leicht und billig im Fabrikations-Kontext ablaufen und nur sehr schwer wieder rückgängig zu machen sind.
Und die schon ein normales Setup nach der Fabrikation sehr erschweren.
Das Finish ist ein gutes Beispiel.
Traditionelle Finishs wie Pur/Nitro Lacke oder Schellack sind wundervoll, aber nur mit Kenntnis und viel Arbeit aufzubringen.
Das sehr populäre Polyurethane, auch lichtechte und UVbeständige Lacke sind viel billiger und einfacher zu verwenden und sehen wirklich gut aus.
Aber, ein solches Finish zu reparieren kann unmöglich sein.
Um einen Riss in einer Gitarrendecke zu reparieren, muss man solchen Lack komplett abschleifen und danach erneut aufbringen. Nitro oder Schellack wird dagegen vergleichsweise einfach – auch punktuell – ausgebessert.

2. Persönliche Beziehung.
Wer mit einem Gitarrenbauer ins Geschäft kommt, etabliert eine Beziehung mit ihm, die über viele Jahre andauern und sehr wichtig werden kann. Er wird stets für Ratschläge erreichbar sein oder um auf Schwierigkeiten zu reagieren.
Und er wird sich für jede Arbeit, die er gemacht hat, verantwortlich fühlen.
Beim Kauf einer Fabriks-Gtarre ist so eine Beziehung nicht möglich, das Einzige was man haben kann ist eine gute Beziehung zum Verkäufer oder zum Service-Telefon (meist nur Mail) des Herstellers.

3. Auswahl, Eigenschaften und Möglichkeiten.
Fabriks-Gitarren werden in strikt unveränderlichen Spezifikationen und großer Anzahl hergestellt. Jede einzelne ist in allen Teilen exakt dieselbe und wenn man etwas ein wenig größer, kleiner oder einfach nur anders haben möchte, hast man keine Möglichkeit das so zu bekommen, es sei denn, man bezahlt nochmals extra dafür, dass das Instrument nach persönlichen Vorgaben angefertigt wird (customized – Custom Shop).
Ein Instrumentenbauer wird ein maßgeschneidertes Instrument bauen.
So wie sich Stil und Technik entwickeln, werden neue Mensur-Längen, Saitenhöhen und Saitenabstände, Neck-Abmessungen und Konturen, Bundgrößen und Bundhöhen,  Tunings, tonale Ausprägung, Elektronik, Holz, Korpusformen und -größen und vieles mehr immer wichtiger.
Aber diese Zunahme von Variablen kompliziert die Herstellung für eine Fabrik.
Ich habe erfahren, dass in Japan viele Käufer Gitarren kaufen wollen, die exakt dieselben wie die Anderer sind, denn so ist es in dieser Kultur Brauch.
Das Fabriksmodell befriedigt diese Konformität.
In westlichen Kulturen ist es dagegen wesentlich üblicher Dinge miteinander zu vergleichen, wie die Halskontur dieser mit der jener Gitarre.
Dieser Hals ist – als Beispiel – zu dick für die Finger des Spielers, die Hand ermüdet schneller und man wünschte sich einen etwas anders geshapten Hals – nur sind an dieser Marke eben alle Hälse gleich, obwohl das Instrument ansonsten ja perfekt passt. Und es gibt kaum Fabriks-Möglichketen, dies für seine Finger an dieser einen Gitarre zu ändern.

4. Wert und Preis.
Eine handgemachte Gitarre wird bei gleichen Preis gegenüber einer Fabrik-Produzierten den tatsächlichen Wert von Arbeit und Gemeinkosten viel wahrhafter reflektieren.
Der Gitarrenbauer wird oft mehr als 200 Stunden gewissenhaft Zeit und Können investieren, während die gleichpreisige Gitarre aus der Fabrik innerhalb von 8 bis 36 Stunden unter extrem gleichbleibenden automatisierten Arbeiten hergestellt wird.
Eine Fabrik zielt auf einen bestimmten Preis unter dem diese Gitarre verkauft werden soll und wird alles tun, um dies auf dem Markt zu etablieren.
Das beinhaltet den Gebrauch vorgefertigter Teile von Dritten und Werbkampagnen um Legenden zu bilden.
Während dieser Artikel vornehmlich für Akustik-Gitarren gilt, ist es bei Elektrischen Gitarren nicht viel anders (wiewohl das Marketing Voodoo in dieser Sparte die wohl buntesten Blüten treibt), bei E-Gitarren wird auch der Gitarrenbauer in der Regel vorgefertigte Teile (Hardware wie Tonabnehmer, Mechaniken und Brücken) verwenden.
Ein Gitarrenbauer wird jedoch immer versuchen, die Dinge so gut zu erschaffen, wie es ihm unter gegebenen Umständen möglich ist, ohne sich dabei von Profit-Motiven leiten zu lassen.
Weil Fabriken Instrumente für Massenmarkt und Preiskalkulation herstellen, ist auch viel mehr Raum, um auch teurere Gitarren in Diskont-Aktionen zu verkaufen, ein Spielraum, den ein Gitarrenbauer nicht anbieten kann, will er von seiner Arbeit auch leben.

Diskont ist eine Marketingstrategie und Fabriksgitarren sind so gebaut und berechnet, dass jedermann innerhalb der komplexen Handelskette aus Zulieferung, Herstellung, Subunternehmungen, Zusammenbau, Werbung, Auslieferung, Einzelhandel, Endkunden-Lieferung sich den Profit aufteilen können. Gitarrenbauer haben ihren Preis um überleben zu können.

5. Qualität.
Nach einem Sprecher der Gitarren-Industrie kürzlich bei einem Symposium, ist Qualität, aus der Sicht der Hersteller, abhängig von der Wiederholbarkeit und Konformität von Komponenten und der Effizienz der Montage.
Das heißt, dass nach Ansicht der Fabrik Qualität das Maß dafür ist, wie effizient seine Teile gleich gemacht werden und wie schnell seine Instrumente Einheitlich und Störungsfrei zusammengebaut werden können.
Aus der Sicht der Musiker hat Qualität nichts mit all dem zu tun: Für ihn ist wichtig wie das Instrument bespielbar ist und wie es klingt.
Dies ist in der Regel auch die Haltung der einzelnen Gitarrenbauer, Effizienz ist ihnen wichtig, aber absolut sekundär gegenüber der Sorge ein persönlich angepasstes und wirksames Instrument für den Musiker herzustellen.
Die wichtigsten Ideale einer Gitarren-Fabrik sind: Dass sie schnell gemacht werden können, stabil sind und gut verkäuflich.
Die wichtigsten Ideale eines Gitarrenbauers sind die Qualität von Klang und Bespielbarkeit.
Eine wirklich gut gemachte Gitarre spielt sich fast von alleine.
Wenn die Qualität für die Fabrik mit Effizienz und Konsistenz bei der Herstellung identischer Dinge zu tun hat, kann es für Handarbeiter nicht so sein.
Und aus offensichtlichen Gründen.

Es gibt eine Menge von Gitarrenbauern und diese arbeiten mit  sehr unterschiedlichen Niveaus an Fähigkeit und kreativem Talent und sie haben unterschiedliche Konzepte der „Beste“ zu sein.
Lassen Sie uns auf die obige Analogie der Gemälde und den Toaster zurückkommen.
Ein Gemälde ist von einem Künstler gemacht, es kann gut oder schlecht sein, oder schön, oder abweisend oder sogar persönlich sinnvoll.
Oder vielleicht unverständlich. Dann können einige Gemälde amateurhaft oder gleichgültig sein.
Einige sind interessant. Einige können verdammt gut sein. Und einige sind zeitlos, signifikant und wirklich toll.
Ein Toaster, auf der anderen Seite, wird tun, für was er entworfen und zu tun gebaut wurde, jedes Mal, oder jemand repariert ihn oder wirft ihn weg.
Man muss in der Regel nicht von einem Toaster denken dass er amateurhaft, sinnvoll, ausdrucksvoll, banal, stimmungsvoll, profund, unverständlich, interessant, oder zeitlos ist.
Dies ist nicht das, für was Toaster da sind.

6. Kunstfertigkeit.
Ein intelligent laufendes Werk ist auf den reibungslosen Betrieb in standardisierter, unpersönlicher Weise ausgerichtet.
Die Schwerpunkte sind die Automatisierung der Verfahren und Standardisierung von Teilen.
Ein Gitarrenbauer ist in der Regel flexibel und effizient genug, um maßgeschneiderte Arbeit an jeder Stelle, wo es darauf ankommt, zu tun.
Diese Felxibilität ist Wesentlich wegen der gegebenen Variabilität der Hölzer: zwei identisch dicke Gitarrendecken können sich um bis zu l00 % in ihrer Dichte , 200% in der Längs-Steifheit und 300% in der seitlichen Steifigkeit unterscheiden!
Die Qualität des handgemachten Instrumentes wird von der Achtsamkeit der Holz Auswahl, dessen Verwendung und der Sorgfalt der Verarbeitung bestimmt.
Daher wird die Auswahl bestimmter Komponenten in Handarbeits-Gitarren und deren endgültigen Abmessungen im montierten Instrument auf individueller Basis erfolgen: dies oben bekommt die Klammer, jenes kommt dann nach unten an diese Stelle.
Was sich dann auf die Steifigkeit des verspannten Tops, seinen Klopf Ton und auf das Erlebnis des gesamten Instrumentes auswirkt. Dies alles beruht auf dem Urteil und Können des Gitarrenbauers und führt zu diesem einzigartigen Instrument.

Wie oben erwähnt, die Niveaus der Fähigkeiten, des Urteilvermögen und der Haltung unter den Gitarrenbauern sind variable Größen, einige hoch entwickelt und einige nicht , je nachdem, wie erfahren und talentiert man ist.
Meiner Meinung nach sind viele Handarbeiter heute nur unzureichend ausgebildet und erfahren, und als Folge sind viele handgemachte Gitarren weniger zufriedenstellend als Fabrik-Gitarren mit vergleichbaren Preis.
Jeder Gitarrenbauer, der etwas taugt, wird jedoch ständig bemüht sein, bessere Techniken zu lernen und seine Arbeit zu verbessern, weil es persönlich erreichte Erfahrung braucht, um eine anerkannte Marke im Handel zu werden.
Er muss lernen, um zu überleben.
Die Absicht und das Qualifikationsniveau der Fabrik ist tendenziell konstant und vorhersehbar und nicht spürbar besser von einem Jahr zum nächsten.
Fabriken stehen die besten Werkzeuge und Vorrichtungen zur Verfügung, aber die Möglichkeiten bei der Entwicklung der Qualifikationen ihrer Arbeitnehmer sind beschränkt.
Deren Mitarbeiter lernen, was sie brauchen, um die Werkzeuge effizient und sicher bedienen zu können, damit sie die Standards der in der Hauseigenen Qualitätskontrolle festgelegten Voraussetzungen erfüllen.

Dies ist in der Tat der wesentliche Unterschied zwischen Handarbeitkunst und Werksarbeit in der Fabrik.
Die Fabrik ist die Trennung von Handwerkskunst und Arbeit zur Automatisierung der Arbeitsanteile: Es gibt jemanden der bezahlt wird, einen Arbeitschritt zu tun.
Er macht immer wieder dasselbe, viele Male am Tag, auf einem Niveau, dass die Fabrik als Mindestanforderung stellt.
So oft und wo immer möglich wird der Spezialist von einer Maschine ersetzt.
Der Handbauer muss im Vergleich geschickt bei allem sein. Er muss jahrelang  alle erforderlichen Techniken und Fertigkeiten erproben und üben, um eine hohe Qualität zu produzieren und bis er dies kann, werden seine Gitarren von weniger hoher Qualität sein.
Die Notwendigkeit, jeden Betrieb zu einem hohen Standard zu führen ist für Handwerker nichts anderes als eine olympische Leistung: Mach einen Fehler und sie verfehlen das Ziel.
Und die Ziele zu erreichen erfordert ein überaus anspruchsvolles und edles Arbeiten und bedeutet einen enormen Aufwand.

7. Spielbarkeit und Einstellungen.
Da in Fabriken Instrumente in großen Mengen zusammengebaut werden, brauchen sie in der Regel fast alle eine Feinabstimmung und Anpassung, bevor sie in die Hände der Kunden kommen.
Musik Geschäfte haben oft eine Person angestellt, deren Aufgabe es ist, alle neuen Gitarren so einzustellen, dass sie am bequemsten für den Kunden sind.
Zum Set-up gehören die Einstellung der Saitenhöhe, Umgang mit dem Buzzing (Saiten klirren an die Stäbchen), Kalibrieren der Intonation an der Brücke, Finetuning der Pickups und was sonst noch getan werden muss.
Man glaubt gar nicht, in welchem Zustand Gitarren von großen Markennamen oft geliefert werden!
Gitarrenbauer werden in der Regel diese Dinge schon lange vor Auslieferung getan haben, weil eine Gitarre, die nicht so perfekt wie möglich eingestellt ist, noch nicht bereit zur Auslieferung ist.

8. Sound.
Das Studium der Faktoren die am endgültig erklingenden Ton beteiligt sind lehrt die Instrumentenbauer, dass kleine Variationen in der Struktur an den richtigen Stellen wichtige, spezifische Unterschiede in der Rsonanz ausmachen.
Weil es so viele Positionen gibt, wo man durch wegnehmen oder hinzufügen von ein wenig Holz, und weil der Unterschied zwischen „ein wenig mehr“ oder „ein bisschen weniger“ entscheidend sein kann, um einen spezifischen Aspekt des Ton herauszubilden, nimmt Jahre in Anspruch.
Dies ist eine sehr wichtige Ebene der Arbeit eines Handwerkers und er ist bestrebt dies zu meistern. Letztendlich wird er in der Lage sein, Gitarren in konsistenter Qualität zu bauen und konsequent seine Kunden zu befriedigen.
Die Fabrik kann nicht so ​​viel Zeit auf eine Gitarre verwenden: der gesamte Betrieb ist auf die identische Abhandlung aller Montageprozesse basiert. So wird ein Mittelweg der oben genannten Faktoren konstruiert um zu einem Klangergebniss zu kommen.
Deshalb werden alle Hölzer eines bestimmten Modells gleich dick sein, sind alle Stützen gleich hoch, sind alle Körper gleich tief, und so weiter.

Töne einer Gitarre werden durch die Aufmerksamkeit auf bestimmte Qualitäten in den Materialien gesteuert. Doch die Fabrik legt den Fokus auf die gleichmäßige Behandlung aller Teile und umgeht diese wichtigen Faktoren, sie kann gar nicht anders.
Da dimensional identische Gitarren Tops und Stützen von handgebauten Instrumenten zweimal die Masse und bis zu dreimal die Steifigkeit ihrer Gefährten vom Fließband haben können, führt das im Wesentlichen und mehr als oft Buchstäblich zu einer zufälligen Sammlung dieser physikalischen Größen in Fabriksmodellen.
In der Folge wird ihre Klangqualität in einer  statistischen Darstellung einer Glockenkurve ähneln, wo ein paar glänzend gelungenen sein werden, ein paar werden sehr schlecht klingen und die meisten werden ziemlich gut.
Um es zu wiederholen: Des Fabrikchefs Prioritäten und Schwerpunkte sind Produktion, Verkauf und Lieferung. Es ist von großer Bedeutung diese unterschiedlichen Anliegen zu vergleichen um zu verstehen, wo der Unterschied zwischen Fabrik und Handarbeit liegt.

9. Haltbarkeit.
Auch hier sind die Intentionen einer Fabrik und eines Handwerkskünstler an ihre Arbeit deutlich anders.
Beide haben sehr gute Gründe dafür.
Es ist nichts falsch am Wunsch eines Fabrikanten, Gitarren an die Öffentlichkeit zu verkaufen.
Aber jedes Mitglied dieser anonymen, musizierenden Öffentlichkeit wird die Gitarre mit verschiedenen Graden der Sorgfalt behandeln, verschiedene Saiten verwenden, anders spielen, in verschiedenen Städten leben oder sogar Ländern mit unterschiedlichen Klimazonen, Temperaturen, Höhen und Luftfeuchten und manchmal ihre Gitarren zum Strand oder auf Ausflüge in die Berge mitnehmen.
Diese Gitarren müssen diese unberechenbaren Bedingungen aushalten.
Es ist Sorge der Fabrik, dass diese Instrumente nicht wieder zu der Abteilung „Garantie“ mit Problemen und Reparaturarbeiten zurückkehren.
Um dies zu gewährleisten sind ihre Gitarren oft wesentlich „überbaut“ (versiegelt, größere Wandstärken, andere Lacke …).
Gitarrenbauer sind mit der Herstellung sensibel und erzeugen Werkzeuge für Musiker, von denen sie sich sicher sein können, dass diese das Instrument mit einiger Vorsicht behandeln.
Diese Gitarren können daher bewusst leicht und zerbrechlich gebaut werden – und das ermöglicht ein lauteres, schneller reagierendes Instrument.
Die Fabrik kann sich nicht leisten, zerbrechliche, maximal ansprechende Instrumente zu bauen: da für jede Schrittweite der Fragilität eine bestimmte Anzahl von vorhersehbaren Schäden vorhergesagt werden können und der Hersteller unter dem Gewicht der Garantiearbeiten einbrechen kann.
Die Gitarrenbauer können es sich nicht leisten, ihre Gitarren zu „Überbauen“: sie würden die gleiche herstellen wie die Fabrik -Version, aber zu einem höheren Preis, und sie würden daran scheitern, um die Preis-Marketing-Dimensionen zu erreichen, die das Fabriks-Modell attraktiv für den Käufer gemacht hat. Er würde glatt verhungern.

l0. Maschinelle Präzision oder Menschliche Touch?
Maschinen werden das gleiche tun, immer und immer wieder, mit dem identischen Maß an Präzision, es gibt keine schlechten Stimmungen oder Krankheitstage und sie werden niemals müde oder deprimiert.
Handwerker sind immer von schwankenden menschlichen Faktoren wie Energie, Aufmerksamkeit, Konzentration und Geschicklichkeit geprägt.
Aus diesen Gründen glauben die meisten Menschen, dass Maschinen schneller, sauberer, konsistenter und begehrenswertere Produkte für den Verbraucher fertigen können, es wird ihnen niemals langweilig immer dieselben Dinge anzufertigen.
Darin liegt viel Wahrheit.

Aber es ist auch ein Trugschluss!
Diese Beziehung zwischen Werkzeug und Ergebnis gilt nur in direktem Verhältnis wie die Maschinen und Operationen frei von menschlichem Eingriff sind – wie es mit computergesteuerten Fräsern der Fall ist.
Aber sobald ein menschlicher Arbeiter ins Bild kommt können auch Fabriken nicht von den gleichen Einschränkungen der Handarbeit entkommen.
Dies wird durch die Tatsache, dass in einer werkseigenen Qualitätskontrolle der Unterschied zwischen dem Verarbeitungs-Niveau in einer Schicht und dem der anderen erkennbar ist, bestätigt.
Vor allem, wenn es neue Mitarbeiter am Fliessband gibt.
Wer Fabriksarbeit jeglicher Art gemacht hat, weiß, dass das Personal den größten Teil der Probleme der Produktion bildet.
Natürlich wird das niemand bewerben!

Dies bringt uns zu dem grundlegenden Unterschied in der Logik, wie diese verschiedenen Methoden des Gitarrenbaus funktionieren.
Die Fabrik muss versuchen menschliche Fehler und Fluktuation zu beseitigen und sie eliminieren daher – oder zumindest begrenzen –  den Menschen an sich so oft wie möglich.
Ein Handwerker wird, um menschliche Fehler zu begrenzen, sein geschick und seine Achtsamkeit erhöhen.

11. Ist eine handgemachte Gitarre unbedingt besser als eine in der Fabrik hergestellte?
Nein.
Viele Fabriks-Gitarren sind gut, und viele handgemachte Gitarren lassen Raum für Verbesserungen. Wie erfolgreich eine handgefertigte Gitarre ist, ist weitgehend davon abhängig, wie erfahren der Hersteller ist und für welche spezifischen Qualitäten des Designs oder Sounds er bekannt ist.
Niemand sollte überrascht sein zu erkennen, dass Anfänger Anfänger-Gitarren machen und dass mit steigender Erfahrung die Instrumente immer professioneller werden: Dieses „Klein-Anfangen“ ist es, was die Instrumente von einem erfahrenen und reifen Gitarrenbauer so besonders machen.
Auf der anderen Seite hat die Fabrik, nur weil sie schon seit vielen Jahren in Betrieb ist, deutlich weniger Bedeutung für die Qualität eines Instruments von dieser oder jener Marke, obwohl gerade die langjährige Erfahrung hier am meisten beworben wird.
Lange, kumulative Erfahrung mit den Materialien ist nicht das, was eine Fabrik anbieten kann und weder sind Verbesserungen noch Fortschritte in der Konstruktion erkennbar, weil diese im Widerspruch mit der Rentabilität stehen, solange der Markt sich mit unverändertem bedienen lässt und nicht nach Verbesserungen verlangt.
Hier sind vor allem die amerikanischen Legenden-Marken betroffen, deren Konstruktionen seit mehr als 50 Jahren immer dieselbe ist, mit all ihren Fehlern und Kinderkrankheiten.

12. Sind dann Fabriks Gitarren besser als handgemachte?
Nach den Maßstäben der Fabrikanten, ja.
Sie glauben, dass die Massen-Montage von vorgefertigten und Zulieferteilen überlegene Produkte produziert, weil es ein hohes Maß an Präzision voraussetzt.
Mindestens ein Unternehmen bewirbt dies ausdrücklich!
Nach den Standards der einzelnen Hersteller ist es möglich, das massengefertigte Fabrik-Gitarren besser sind als einzeln von Hand gefertigte, aus all den oben schon genannten Gründen.
Aber im Allgemeinen sind werkseitige Gitarren nur „besser“ in einem begrenzten Sinne des Wortes, auch aus all den oben genannten Gründen.
Ich möchte nochmals betonen, dass Handwerker und Fabrik jeweils mit einer anderen Intelligenz, mit verschiedenen Prioritäten und für verschiedene Märkte produzieren.
Der Geigenbauer kann nicht mit einem Werk auf der Ebene des Preises konkurrieren.
Die Fabrik kann nicht auf der Ebene der Liebe zum Detail, Pflege und Übung des Handwerks mit dem Gitarrenbauer konkurrieren.

13. Sind High-End Fabriks-Gitarren zumindest besser?
Aus der Sicht des Musikers, nein.
Sie sind viel aufwendiger verziert und ausgestattet und werden auch in limitierter Auflage produziert, um den höheren Preis zu rechtfertigen.
Und sie sind in der Regel auf einen ganz anderen Markt ausgerichtet – die Sammler.
Für den durchschnittlichen Musiker ist der Reiz des Gitarrensammelns durch den hohen Preis abgestumpft und für den ernsthaften Musiker durch die Tatsache, dass ihre Essenz, Seele und Klang unter den gleichen Fabriks-Bedingungen hergestellt wird, wie die günstigen Verwandten dieser Gitarre.
Und mit den gleichen Bedenken, mit vergleichbarem Ergebnis: die zufällige Variation der musikalischen Qualität.
Aber der Sammler hat unterschiedliche Interessen. Er sucht den Reiz der Seltenheit, Eigenart und „collectableness“ in einem Instrument und sein Hauptinteresse neigt dazu, seinen Erwerb, seinen Besitz herzuzeigen – aber nicht um damit zu spielen.
Die Sammler-Markt von Vintage und Limited Musikinstrumenten ist nicht groß, aber er ist ziemlich stark, und sein ständige Hunger nach neuen Produkten hilft die Produktion von „Sammlerstück“-Gitarren anzutreiben.
Manufakturen reagieren auf die Nachfrage, indem Produktion und Werbung von und für Limited Edition Gitarren die für den Käufer erforderlichen Attraktivitäten herstellen: Einzigartigkeit, Knappheit, Seltenheit, und hohe Preise.
Es gibt einzelne Gitarrenbauer, deren Arbeit auf dem Sammler-Markt gesucht wird.
Aber im Großen und Ganzen ist der Unterschied zwischen Fabriks- und Handgemachten Sammlerstücken hauptsächich, dass die von einzelnen Gitarrenbauern sehr selten auf dem Markt sind, und beinahe überhaupt nicht mehr angeboten werden wenn er stirbt.
Eine Fabrik wie die Firma Martin/Fender/Gibson … kann Sammler-Modelle und Sonderausgaben für Generationen herstellen.

14. Ein gemeinschaftlicher Aspekt.
Ich mag den Gedanken, dass ein wichtiger Unterschied zwischen Handarbeit und Produktions-Gitarren die Zusammenarbeit ist.
Gitarrenbauer wollen Musiker, die in der Lage sind zu schätzen, wie gut ihre Arbeit ist und der sie herausfordern kann, um noch bessere Werke zu erschaffen.
Das ist eine fruchtbare Partnerschaft.
Die Bedürfnisse einer Produktion sind überwiegend darin erschöpft, Gitarren zu verkaufen und in der Regel bilden Fabrikanten lieber nur Partnerschaften mit ihren Endorsern (Musiker, die deren Marke benutzen, meist exklusiv von dieser Marke ausgestattet werden – Werbegemeinschaft).

15. Wie kann ich wirklich wissen, welche Gitarre besser oder schlechter ist?
Ein wichtiger Faktor in der Beurteilung dessen, was besser und was schlechter ist, ist wie, etwas einfach ausgedrückt, ausgebildet und sensibel derjene ist, der die Gitarre prüft.
Eine Diskussion der Unterschiede lässt sich nicht sehr weit führen, ohne dies zu verstehen.
Der Verbraucher ist nicht nur ein passiver Zuschauer in dieser Debatte, er ist ein Teilnehmer, auch wenn er dies nicht weiß, er ist es.
Um das zu veranschaulichen, möchte ich Ihnen ein Beispiel geben, das mir wiederholt passiert ist (und ich bin sicher, dass haben andere Gitarrenbauer auch erlebt).

Ein Gitarrist rief an und berichtete mir, dass seine Gitarre, die für mehrere Jahre sehr gut funktioniert hatte, nun nicht mehr richtig Intoniert. Er vermutete, dass die Mechaniken abgenutzt waren und deshalb etwas durchrutschen und wollte wissen, ob ich diese ersetzen kann.
Ich sagte ja. Als der Anrufer kam, habe ich die Gitarre geprüft und keine Probleme gefunden: die Tuner funktionierten perfekt, die Brücke hatte sich nicht gelöst oder verzogen, die Decke war vollkommen in Ordnung, die Bünde bestens und das Trussrod stabil und richtig eingestellt, der Hals war nicht verzogen, die Gitarre war in keiner Weise beschädigt oder etwas gebrochen.
In der Tat, es war alles genau so, wie es sein sollte!
Was wirklich passiert ist? Der Musiker hat im Laufe der Zeit sein Ohr verbessert, so dass er nun hörte, dass die Gitarre nicht richtig intoniert war.
Sie war es auch nie, aber es war ihm einfach nicht möglich, die Dissonanzen vorher zu hören (es geht hier um 0,5 bis 0,10 Verschiebungen der gegriffenen Töne!).
Offensichtlich ist eine Gitarre, die sehr gut Intoniert ist besser als eine, die das nicht ist. Aber wenn man nicht in der Lage ist das zu hören, dann wird es irrelevant.
Mit einem verbesserten Ohr war dieser Mann bereit für eine bessere Gitarre.

Das Wachstum der Erfahrung zu sehen und zu hören beeinflusst unsere Fähigkeit, Nuancen, Details, Subtilität und Qualität zu schätzen.
Das sind genau die Bereiche, in denen handgefertigte Gitarren sich zu unterscheiden wissen von jenen, die das nicht sind.
Aber, bis ein Spieler den Punkt erreicht, wo er den Unterschied bemerkt, ist die Gitarre die er bereits hat, gut genug.