Reparatur und Restauration – soweit noch möglich.
Diese Dame wurde vom Vorbesitzer leider heftigst verbastelt.
Sie gehört nun Jörg von der Band Tym & Co. und wurde dazumals in diesem Zustand gekauft.
Ein dritter Pickup wurde einfach mal in die Mitte der anderen gequetscht, wobei nicht gerade zärtlich vorgegangen wurde, wenn man sich den Rahmen desselben mal ansieht.
Die Flut an Schaltern erschließt sich leider nicht mehr in ihren Funktionen, weil die meisten schlicht und ergreifend kaputt sind.

Die Gitarre wurde laut Seriennummer 1974 in Nashville hergestellt und für nur wenige Jahre bis 1978 gebaut.
Vorliegende Lady ist gänzlich aus Ahorn – was wegen dem Gewicht eher selten so gemacht wird.
Es steht zu vermuten, dass dies nur wegen der Kostenersparnis so erzeugt wurde, denn wie man weiß, haben die großen amerikanischen Namen in diesen Jahren viel an Low Budget hergestellt.

Aufgabe: Den warmen Sound wieder herstellen, den sie mal hatte.
Es soll aber auch möglich sein, glasige Funksounds damit zu erzeugen. Das wurde bisher mit dem parallel zuschaltbaren Mittel-Pickup erreicht, an dem eine der Spulen abschaltbar ist (Coil-Split).
Da wir ja schon ein Loch in der Mitte haben, sollen es wieder 3 Pickups werden.
Leider werden wir die Löcher, die nach dem entfernen der Schalter verbleiben, wohl verdecken müssen …
Echt schade um das gute Stück.

Die ersten Schritte:
Den ganzen alten Mist herausholen der sich im Elektronikfach verbarg.
An den Fotos ist ersichtlich, welches Gestrüpp da drunter war. Die Lötleiste wurde mittels Holzklötzchen befestigt, was an sich nicht dumm ist, allerdings wurden die hier mal eben von außen durch den Body geschraubt. Das tut weh.
Und als nächstes die Pickups entfernen und drunter war nicht viel anderes als stümperhafte Arbeit zu sehen.
Hier wurde das Holz mit viel Gewalt rausgerissen, da war mit Sicherheit kein Fräser oder Stecheisen in Verwendung, eher ein Schraubenzieher.
Da musste ich mit dem Fräser ran.
Das ist dann auch schon der 2. Schritt gewesen. Ausfräsen und Glätten um die Kabel zu schonen, mehr kann ich hier nicht mehr tun.
Die beiden Knubbel beim Neck-Pickup lasse ich bestehen, weil ich die Schraublöcher vermutlich noch brauchen werde.

Als nächstes einen Pickup-Halter anfertigen, um schnell und einfach mehrere Kombinationen auszuprobieren.
Die originalen Pickups sind leider nicht mehr zu gebrauchen, der Neckpickup ist gänzlich außer Funktion – da ist innen an der Spule der Draht gebrochen und die Masseleitung einer Spule fehlt.
Anfangs hatte ich einen Fender Telecaster Neck PU ohne Kappe in der Mitte und 2 Washburn Nuno Bettencourt PUs aus meinem Bestand in Probe, deren Zusammenspiel ich auf den ersten Test gut fand.
Allerdings habe ich nach ausgiebigen Testen zunächst die Kappe wieder auf den Telly PU gesetzt um die glasigen Sounds etwas zu dämpfen, die dann entstehen wenn man diesen mit einem der Humbucker parallel verschaltet.
Nachdem mir das immer noch zu kalt geklungen hat, wurden die Humbucker gegen nagelneue Schaller Golden 50s ersetzt und die Splitschaltung flog wieder raus.
Wozu Schaltungen belassen, wenn sie weit über das Ziel hinausschießen?
Diese Kombination hat Jörg bei mir probegespielt und sein Fazit?
Perfekt.

Sehr warmer Grundsound mit wunderschönen Obertönen und reichlich Bauch um die Mitte.
Derzeit warte ich auf die Anlieferung neuer Teile für diese Gitarre, da das Pickguard neu gemacht wird, dass dann die Pickups beherbergt und ein zweites – andersfarbig – unter die Schalter und Regler, um die gruseligen Löcher zu verbergen.
Die Schalter werden ebenso wie alle elektronischen Teile durch neue ersetzt.

Bis demnächst, Tom